Eine Woche lang hat die Polizei auf der B29 bei Essingen im Ostalbkreis die Geschwindigkeit gemessen. Das Ergebnis, das das Polizeipräsidium Aalen am Freitag, 30. Oktober 2026, veröffentlicht hat: 832 Verstöße bei mehr als 100.000 gemessenen Fahrzeugen. Der schnellste Autofahrer war mit 205 km/h unterwegs, erlaubt sind an der Messstelle 120 km/h.
Eine Woche Messung auf Höhe des Bahnhofs Essingen
Gemessen wurde nach Angaben der Polizei von Donnerstag, 22. Oktober, bis Donnerstag, 29. Oktober 2026. Die Messstelle lag auf der B29 auf Höhe des Bahnhofs Essingen, zwischen Aalen und Schwäbisch Gmünd. Der Abschnitt ist vierspurig ausgebaut, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Pkw liegt dort bei 120 km/h, für Lkw bei 80 km/h.
Über 100.000 Fahrzeuge passierten in diesem Zeitraum die Messstelle. 832 davon waren zu schnell. Rechnerisch ist das weniger als ein Prozent aller gemessenen Fahrzeuge. Welches Messgerät eingesetzt wurde und wie sich die Verstöße auf die einzelnen Geschwindigkeitsstufen verteilen, hat die Polizei nicht mitgeteilt.
205 statt 120 km/h: der Spitzenreiter
Den höchsten Wert erreichte ein Autofahrer mit 205 km/h. Die Polizei spricht in ihrer Meldung von einem „traurigen Spitzenreiter“. Bei den Lastwagen fiel ein Fahrzeug mit 122 km/h auf, erlaubt sind für Lkw an dieser Stelle 80 km/h.
Die Strecke zwischen Aalen und Essingen ist seit Mai 2025 vierspurig befahrbar und wird seitdem regelmäßig kontrolliert. Anfang Oktober 2026 hatte die Schwäbische Post eine Bilanz dieser Kontrollen veröffentlicht: 2312 Geschwindigkeitsverstöße, der bis dahin höchste Wert lag bei 183 km/h. Der neue Spitzenwert liegt damit gut 20 km/h darüber.
Was den Schnellsten jetzt erwartet
Wie hoch die Strafe im Einzelfall ausfällt, entscheidet die Bußgeldstelle. Ob in diesem Fall bereits ein Fahrverbot verhängt wurde, geht aus der Polizeimeldung nicht hervor. Der Bußgeldkatalog gibt aber einen klaren Rahmen vor.
Zunächst wird vom gemessenen Wert eine Toleranz abgezogen. Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h sind das 3 Prozent. Aus 205 km/h werden so 198 km/h, die vorwerfbare Überschreitung liegt also bei 78 km/h. Damit fällt der Autofahrer in die höchste Stufe des Bußgeldkatalogs für Pkw außerorts: mehr als 70 km/h zu schnell. Dafür sind 700 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und 3 Monate Fahrverbot vorgesehen. Hinzu kommen Gebühren und Auslagen des Verfahrens.
Bei einer so deutlichen Überschreitung kann die Behörde zudem von Vorsatz statt Fahrlässigkeit ausgehen. Die Regelsätze des Bußgeldkatalogs gelten für fahrlässiges Handeln. Wird Vorsatz angenommen, ist das Bußgeld nach der Bußgeldkatalog-Verordnung zu verdoppeln.
Für den Lkw gilt eine eigene Tabelle. Nach Abzug der Toleranz von 3 km/h bei Werten bis 100 km/h und 3 Prozent darüber bleiben von 122 km/h noch 118 km/h, also 38 km/h zu viel. Handelt es sich um einen Lkw über 3,5 Tonnen, sieht der Bußgeldkatalog dafür 255 Euro, 2 Punkte und einen Monat Fahrverbot vor. Ob das Fahrzeug in diese Gewichtsklasse fällt, hat die Polizei nicht angegeben.
| Überschreitung | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot | Einspruch |
|---|---|---|---|---|
| 21 bis 25 km/h | 100 € | 1 | nein | prüfen |
| 26 bis 30 km/h | 150 € | 1 | nur im Wiederholungsfall | prüfen |
| 31 bis 40 km/h | 200 € | 1 | nur im Wiederholungsfall | prüfen |
| 41 bis 50 km/h | 320 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| 51 bis 60 km/h | 480 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| 61 bis 70 km/h | 600 € | 2 | 2 Monate | prüfen |
| mehr als 70 km/h | 700 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
Ein Fahrverbot im Wiederholungsfall droht bei einer Überschreitung ab 26 km/h, wenn innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft einer früheren Entscheidung erneut ein solcher Verstoß begangen wird. Alle Stufen für Pkw, Lkw und Fahrzeuge mit Anhänger finden sich in unserer Übersicht zur Geschwindigkeitsüberschreitung.
Warum die Polizei an der B29 misst
Die Polizei begründet die Kontrollen mit der Unfallgefahr. Überhöhte Geschwindigkeit sei bei schweren Verkehrsunfällen nach wie vor die Unfallursache Nummer eins, heißt es in der Meldung. Unfälle mit zu hohem Tempo hätten oft schwerwiegende Folgen. Die Messungen würden deshalb regelmäßig durchgeführt.
Dazu gibt die Polizei einen Appell an die Autofahrer weiter: „Runter vom Gas! Überschätzen Sie nicht die eigenen Fähigkeiten und rechnen Sie auch mit Fehlern von anderen!“ Ein Unfall mit schweren Folgen belaste Opfer und Täter oft ein Leben lang.
Was Betroffene jetzt beachten sollten
Wer in der Woche vom 22. bis 29. Oktober auf der B29 bei Essingen zu schnell war, erhält zunächst einen Anhörungsbogen oder direkt einen Bußgeldbescheid. Gegen einen Bußgeldbescheid kann innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden. Danach wird der Bescheid rechtskräftig.
Bei Fahrverboten gilt: Wer in den zwei Jahren vor der Tat kein Fahrverbot hatte und auch danach bis zum Bescheid keines erhalten hat, kann den Beginn des Fahrverbots in der Regel um bis zu vier Monate hinausschieben. Der Führerschein muss dann spätestens vier Monate nach Rechtskraft abgegeben werden. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber zum Fahrverbot, Informationen zum Punktestand im Ratgeber Punkte in Flensburg.
Wo in Baden-Württemberg regelmäßig gemessen wird, zeigt unsere Seite zu Blitzern in Baden-Württemberg.
Quellen
- Polizeipräsidium Aalen: Pressemeldung zu den Geschwindigkeitskontrollen auf der B29 in Essingen vom 30.10.2026 (Presseportal)
- Schwäbische Zeitung: „Trauriger Rekord: Raser jagt mit 205 Sachen über die B29 bei Essingen“
- Schwäbische Post: Bericht zur Geschwindigkeitskontrolle in Essingen vom 30.10.2026
- Schwäbische Post: „Mit 183 km/h geblitzt: So viele Raser erwischte die Polizei seit dem B29-Ausbau“
- ADAC: Ratgeber Geschwindigkeitsüberschreitung, Bußgelder und Fahrverbot
- Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV), Anlage zu § 1 Abs. 1
Bild: KI-generiert
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.


