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Bußgeldkatalog 2026

Messverfahren

Hier finden Sie eine Liste der stationären und mobilen Blitzer in Deutschland und eine Übersicht verschiedener Messfehler.

Update Redaktion Bußgeldportal 14 Min. Lesezeit

Verkehrsüberwachung durch Blitzer in Deutschland

In Deutschland werden jährlich über 2,7 Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Dabei nehmen die Temposünder ein höheres Unfallrisiko in Kauf, weshalb die Behörden, insbesondere an Gefahrenstellen, verstärkt die Geschwindigkeit kontrollieren.

Zur Überwachung der Geschwindigkeit werden von den Behörden verschiedene Blitzertechnologien eingesetzt. Die Messverfahren setzen unter anderem Laser-, Piezosensonsoren-, Radar- oder Lichtschrankentechnik ein.

Blitzermodelle

Ausführliche Informationen und Einspruchsmöglichkeiten zu den wichtigsten Blitzermodellen in Deutschland.

Standardisierung der Messverfahren

Jedes Verfahren muss dabei bestimmte gesetzliche Anforderungen für eine korrekte Geschwindigkeitsmessung erfüllen und kann fehleranfällig sein. In Deutschland dürfen nur „standardisierte Messverfahren“ eingesetzt werden. Geprägt wurde der Begriff vom Bundesgerichtshof (BGH) :

Ein standardisiertes Messverfahren ist ein durch Normen vereinheitlichtes (technisches) Verfahren, bei dem die Bedingungen seiner Anwendbarkeit und sein Ablauf so festgelegt sind, dass unter gleichen Voraussetzungen gleiche Ergebnisse zu erwarten sind

BGHSt 43, 277; OLG Dresden DAR 2005, 226

Der Einsatz von standardisierten Messgeräten ermöglicht den Bußgeldstellen eine vereinfachte Bearbeitung. Die Beamten können sich bei der Tat auf das Messergebnis und die Toleranz konzentrieren. Außerdem sind die Messung erst dann angreifbar, wenn Anhaltspunkte für bestimmte Messfehler vorliegen. Bei der Summe an Bußgeldverfahren in Deutschland wäre sonst eine Bearbeitung fast nicht zu bewältigen.

Anforderungen an eine korrekte Messung

Die Messgeräte haben verschiedene Anforderungen zu erfüllen: so muss ein Blitzer genau auf die Fahrspuren ausgerichtet und geeicht sein, um die Geschwindigkeit eines Fahrzeuges präzise erfassen zu können. Bevor ein neuer stationärer oder semi-stationärer Blitzer eingesetzt werden darf, ist also eine gewisse Anzahl an Probemessungen nötig.

Darüber hinaus es es wichtig die Vorschriften bei der Installation und Bedienung des Gerätes einzuhalten. Bei mobilen Messgeräten müssen die Beamten für den Einsatz eine Schulung absolvieren. Außerdem sind die Hinweise aus der Gebrauchsanleitung genau zu beachten.

Geschwindigkeitsmessung

Die Aufgabe von Geschwindigkeitsmessungen ist zu erfassen, welche Verkehrsteilnehmer sich nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit halten und eine Geschwindigkeitsüberschreitung begehen.

Die Geschwindigkeit muss dabei unabhängig von äußeren Einflüssen wie widrigen Wetterverhältnissen und einem dichten Verkehrsfluss korrekt gemessen werden. Ein Toleranzabzug von 3 km/h bis 100 km/h und 3 Prozent ab 100 km/h fließt zugunsten der Verkehrsteilnehmer in das Strafmaß ein. Bei mobilen Geschwindigkeitsmessung kann die Toleranz noch höher ausfallen.

Messung eines Rotlichtverstoßes

Bei einer Rotlichtüberwachung geht es darum das regelwidrige Überfahren eine roten Ampel zu registrieren. Dabei ist es notwendig die Dauer bis zur Einfahrt in den Kreuzungsbereich bis auf eine Zehntelsekunde genau zu messen.

Denn nur mit Hilfe einer exakten Messung kann der geblitzte Autofahrer auch die richtige Strafe aus dem Bußgeldkatalog erhalten: Neben einem Bußgeld können auch Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot

Wann wird ein Blitzer ausgelöst?

Ob Fahrzeuge in einer Geschwindigkeitskontrolle geblitzt werden, hängt von der vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit und der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit ab. Vorausgesetzt der Blitzer wurde auf das Tempolimit richtig eingestellt.

Sobald Autofahrer schneller fahren als erlaubt, löst die Blitzeranlage aus und fertigt dabei eines oder mehrere Blitzerfotos als Beweismittel an. Ein Blitz muss dabei nicht immer zu sehen sein – insbesondere bei Schwarzlicht- oder Infrarotmessungen ist dieser kaum wahrzunehmen.

Aktuelle Messverfahren in Deutschland

In Deutschland werden verschiedene standardisierte Messverfahren eingesetzt. Die Blitzer lassen sich nicht nur noch nach der Messtechnik einteilen, sondern auch ob sie stationär, teil-stationär oder mobil eingesetzt werden.

Stationäre Blitzer

Stationäre Radarfallen werden an einem Standort fest installiert und sind in der Lage Geschwindigkeits- und Rotlichtverstöße festzustellen. Das hat aber aus Sicht der Bußgeldbehörden auch einen Nachteil: Ortskundige Fahrer wissen schnell, wo sich ein stationärer Blitzer befindet, und bremsen rechtzeitig auf die entsprechende Geschwindigkeit ab.

Teil-stationäre und mobile Blitzer

Teilstationäre und mobile Blitzer werden nur zeitlich begrenzt aufgestellt und an verschiedenen Standorten eingesetzt. Die Polizei setzt diese vorzugsweise an Gefahrenstellen, wie Baustellen oder Tempo- 30-Zonen ein, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Die flexiblen Messgeräte sollen Autofahrer, die sich in der Gegend auskennen, überraschen und Rasern auf die Schliche kommen. Auch moderne Blitzeranhänger, wie der Enforcement-Trailer Poliscan Speed Fm1, kommen vermehrt zum Einsatz.

Lasermessung

Viele Hersteller haben Messgeräte mit laseroptischen Sensoren und Laserscannern entworfen. Bei einer Lasermessung wird die Geschwindigkeit von Fahrzeugen aus der Änderung der Entfernung innerhalb einer bestimmten Meßzeit mit Hilfe von Laserimpulsen ermittelt. Entscheidend ist dabei, wie schnell sich das Auto nähert.

Moderne Laserscanner, wie die Blitzersäulen von Poliscan Speed oder der Traffistar S350, können mehrere Fahrspuren und Fahrtrichtungen gleichzeitig überwachen. Auch der teilstationäre Enforcement-Trailer Poliscan Fm1 arbeitet mit der Lasertechnologie.

Darüber hinaus kommen mobile Laserpistolen bei Verkehrskontrollen der Polizei zum Einsatz und ermöglichen sogar Geschwindigkeitsmessungen während der Fahrt.

Übersicht Laserblitzer in Deutschland
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
Leivtec XV 2Lasermessgerät auf StativVideoaufnahme und Standbildprüfen
Leivtec XV 3Lasermessgerät auf Stativkein Video, zwei Beweisfotosprüfen
Riegl lr90-235/pmobile Laserpistole oder auf StativKeine Beweisfotos, nur Dokumentation durch Beamteprüfen
Riegl fg21-pmobile Laserpistole oder auf StativKeine Beweisfotos, nur Dokumentation durch Beamteprüfen
LTI 20/20 TruSpeedLaserpistole, seit 2024 nur mit Stativ und VergrößerungsoptikKein Beweisfoto, Messprotokoll und Aussage des Messbeamtenprüfen
Traffistar S350 (Jenoptik)fest installierter BlitzerMehrere Fahrspurenprüfen
Poliscan Speed, Poliscan Speed F1 HP (Vitronic)stationär als Blitzersäule, mobil auf stativErfasst mehrere Fahrspuren und Richtungenprüfen
Poliscan Speed FM1, Enforcement-TrailerteilstationärMehrere Fahrspurenprüfen

Anforderungen und Messprobleme

Es gibt einige Kriterien, die bei Geschwindigkeits- und Rotlichtmessungen mit Lasermessgeräten eingehalten werden müssen. Bei Messungen mit der Blitzersäule und dem Enforcement-Trailer von Poliscan müssen die Messungen innerhalb des Auswerterahmens stattfinden.

Ein Gutachten entdeckte bei einer Messreihe 305 von 520 Messung teilweise oder außerhalb des gültigen Messbereichs. Ein Einspruch hätte in diesem Fall gute Erfolgsaussichten.

Bei mobilen Lasermessungen mit Hilfe von Handlasermessgeräten muss der Bediener in der Anwendung geschult sein. Außerdem müssen vor dem Start der Blitzermessung einige Tests absolviert werden. Nur wenn Gerätestest, Displaytest, Visiertest und Nulltest erfolgreich sind, darf eine Blitzermessung absolviert werden. Bei den Leivtex XV2 und XV3 entfallen Visier- und Nulltest.

Eine Herausforderung bei Lasermessungen ist die korrekte Meßwertzuordnung zum Fahrzeug. Laserstrahlen sind bei größerer Entfernung von einer Ausweitung unterworfen. Das bedeutet nicht zwingend, dass ein Messfehler bei großer Messdistanz vorliegt. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit ist aber gegeben, die sich erhöht, wenn noch andere Faktoren hinzukommen.

Wenn sich mehrere Fahrzeuge im Messbereichs des Blitzers bewegen, wie das bei dichtem Verkehrsfluss der Fall ist, kann es passieren, dass eine Messung nicht eindeutig einem Fahrzeug zugeordnet werden kann. Das Messergebnis wäre dann angreifbar.

Radarmessung

Die von der Radarfalle ausgesendeten Strahlen werden durch das Fahrzeug reflektiert, das in den Messbereich eingefahren ist. Mit Hilfe der reflektierten Strahlen und dem Dopplereffekt berechnet der Radarblitzer die gefahrene Geschwindigkeit.

Es gibt aber auch Radarmessgeräte, bei denen der Blitz durch Infrarot-Technologie kaum mehr wahrnehmbar ist. Diese werden auch als Schwarzlichtblitzer bezeichnet. Neuere Meßgeräte können auch den Abstand und den Winkel zum Fahrzeug messen. Damit kann das geblitzte Fahrzeug in der aktuellen Verkehrssituation noch besser eingeordnet werden.

Aktuelle Radar-Messverfahren in Deutschland
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
M5 Rad3, VDS Verkehrstechnikstationär und transportabel auf StativEinziges derzeit zugelassenes Radargerät; misst die Entfernung zum Fahrzeug mitprüfen
Multanova VR 6f, JenoptikFahrzeugeinbau, Brückenradar, mobil auf StativSollwinkel muss korrekt eingestellt werdenprüfen
M5 Radar, VDS VerkehrstechnikIm Fahrzeugheck, mobil auf StativWinkel und Abstand zur Fahrbahn für korrekte Messung wichtigprüfen
M5 RAD2, VDS Verkehrstechnikstationär, mobil oder auf StativKein aufmerksamer Messbetrieb notwendigprüfen
Traffipax Speedophotstationär auf Container, mobil auf StativÜberwachung bis zu vier Fahrbahnenprüfen

Piezosensoren und Koaxialmessverfahren

Die beiden Verfahren werden vor allem bei der Geschwindigkeitsmessung eingesetzt. Piezoelektrische Drucksensoren werden durch in die Fahrbahn eingelassene Koaxialkabel in einem fest gelegten Abstand miteinander verbunden. Durch die Messung des zeitlichen Abstands zwischen den Impulsen wird die Geschwindigkeit ermittelt.

Blitzer mit Piezosensoren und Koaxialmessverfahren
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
Traffipax Traffiphot-S, JenoptikStarenkasten, stationärKoaxialkabel müssen alle 6 Monate überprüft werdenprüfen
Traffistar S 330, JenoptikStationär, Anschluß an Verkehrsleitsystem möglichBlitzlicht kaum wahrnehmbarprüfen
Truvello M4²mobil und stationär einsetzbarFotoposition muss im Sensorbereich seinprüfen
VDS M5 Speedmobil und stationär einsetzbarZwei Messungen werden durchgeführtprüfen

Lichtschrankenblitzer und Einseitensensoren

Die Messung mit einer Lichtschranke benötigt einen Sender und einen Empfänger. Die beiden Messgeräte werden also an der gegenüberliegenden Fahrbahn bzw. Straßenseite angebracht.

Wenn ein Fahrzeug den Lichtstrahl durchfährt, wird das Signal unterbrochen und mittels Zeitabständen die Geschwindigkeit berechnet. Moderne Helligkeitssensoren, die auch als Einseitensensor bezeichnet werden, benötigen dafür nur eine Veränderung der Helligkeit, um eine Messung auszulösen.

Lichtschrankenblitzer und Einseitensensoren
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
ESO µP 80mobil und stationär einsetzbarVeraltet – wird nicht mehr hergestelltprüfen
ESO ES 1.0mobil und stationär auf StativKann beide Fahrtrichtungen überwachenprüfen
ESO ES 3.0mobil auf StativKann beide Fahrtrichtungen überwachenprüfen
ESO ES 8.0eher mobil, Einbau in Schutzgehäuse möglichÜberwachung bis zu 4 Fahrspuren, speichert seit 2020 keine Rohmessdatenprüfen

Videoüberwachung durch Laserpistolen

Die Geschwindigkeitsmessung durch Videoüberwachung wird von der Polizei direkt aus dem fahrenden Fahrzeug heraus eingesetzt. Das wird auch als Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren bezeichnet.

Dabei kann das Videosystem sowohl von der Front- als auch von der Heckscheibe die Geschwindigkeit des anderen Fahrzeuges messen. Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den Autos für einige Zeit gleich bleibt, um eine Überschreitung korrekt zu ermitteln.

Blitzer mit Videoüberwachung
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
ProVida 2000, ProVida 2000 modularmobil Messung durch Nachfahren aus dem Polizeifahrzeug, 5 Prozent Toleranzabzugprüfen
VIDIT VKS 3.0mobil auf Stativ, oft von Brücken eingesetztUpgrade Selectmodul: Statt Videoaufnahme Identifikation durch Einzelfotosprüfen
VIBrAMstationär, oft von Brücken eingesetztMarkierungen auf Fahrbahn notwendigprüfen
VKS 3.0 & 4.5Abstandsblitzer – oft von BrückenProbleme mit der Videoqualität durch Datenkomprimierungprüfen

Induktionsschleifen

Die Messung mit Hilfe von Induktionsschleifen dient in erster Linie zur Feststellung eines Rotlichtverstoßes. Dafür werden zwei Induktionsschleifen unterhalb der Fahrbahn eingebaut.

Damit die elektrischen Signale die korrekte Rotzeit ermitteln können, müssen diese einen vorgegebenen Abstand einhalten. So wird bei der ersten Induktionsschleife das Überqueren der Haltelinie und an der zweiten Position die Einfahrt in den Schutzbereich der Kreuzung gemessen.

Messung mit Induktionsschleifen
Name des MessgerätsEinsatzortBesonderheitenEinspruch
Gatso GTC-GS11, Gatso TC-RG1stationärÜberwachung bis zu drei Fahrspuren und zwei Lichtzeichenanlagenprüfen
Multanova Multastar C, C SpeedstatrionärJe nach Konfiguration Rotlicht- und Geschwindigkeitskontrolle möglichprüfen
Traffipax Traffiphot III, JenoptikstationärZwei Beweisfotos werden zur Berechnung der Rotzeit angefertigtprüfen

Geblitzt worden: Wie kann ich die Messung anfechten?

Bei Geschwindigkeitsmessungen sowie bei der Kontrolle von Rotlicht- und Abstandsvergehen können unterschiedliche Messfehler auftreten. Unter anderem können folgende Einflussfaktoren eine Messung verfälschen:

  • Blitzer ist in falschem Winkel zur Fahrbahn aufgestellt
  • Fehler bei der Eichung: Messgerät nicht exakt auf die Fahrbahnen eingestellt
  • Bei mobilen Blitzermessungen haben die Beamten für das Gerät keine Schulung erhalten
  • Blitzerfoto ist unscharf und der Fahrer nicht zu erkennen
  • Ein zu geringer Abstand vom Blitzer zum Verkehrszeichen
  • Die Messung wurde einem falschen Fahrzeug zugeordnet

Können Messfehler nachgewiesen werden, bestehen gute Chancen drohende Bußgelder, Punkte und Fahrverbote durch einen Einspruch abzuwenden.

Ein Ansatz trägt seit Sommer 2026 dagegen nicht mehr: Mehrere Messgeräte speichern die zur Messwertbildung erfassten Rohmessdaten nicht - beim ESO ES 8.0 in der Tabelle oben ist das seit 2020 so. Daraus wurde jahrelang ein Beweisverwertungsverbot hergeleitet. Der Bundesgerichtshof hat das am 2. Juli 2026 abschließend verneint: Die Nichtspeicherung der zur Messwertbildung erfassten und verarbeiteten Daten verletzt bei einem standardisierten Messverfahren weder den Grundsatz des fairen Verfahrens noch begründet sie ein Beweisverwertungsverbot (4 StR 235/25).[5] Seitdem gilt bundesweit dieselbe Antwort, auch im Saarland, dessen Gerichte das seit 2019 anders beurteilt hatten. Unberührt bleibt Ihr Anspruch auf Einsicht in die vorhandenen Unterlagen: Eichschein, Messprotokoll, Lebensakte des Geräts und die vollständige Falldatei können Sie weiterhin anfordern - und genau dort finden sich die Fehler, die einen Einspruch tragen.

Über Bussgeldportal.de können Sie eine kostenlose Prüfung Ihrer Blitzermessung durch eine bundesweit tätige Kanzlei für Verkehrsrecht erhalten. Dazu müssen Sie lediglich einige Fragen zu Ihrem Tatvorwurf beantworten und idealerweise ein Foto des Behördenschreibens mitschicken.

Falsche Fahrerangaben: bis zu 30.000 Euro (seit Juli 2026)

Ist auf dem Messfoto der Fahrer erkennbar, kommt gelegentlich die Idee auf, einfach jemand anderen zu benennen. Davon ist dringend abzuraten.

Seit dem 1. Juli 2026 gilt dafür ein eigener Tatbestand. § 4c StVG verbietet es, eine Behörde über den Beteiligten an einer Verkehrsordnungswidrigkeit zu täuschen – und ebenso, den Kontakt zu einer täuschungsbereiten Person zu vermitteln oder eine solche Vermittlung anzubieten. Der Tatbestand greift allerdings nur bei den in Anlage 13 der Fahrerlaubnis-Verordnung bezeichneten Verstößen, also bei den punktebewehrten Ordnungswidrigkeiten (Anlage 13 FeV). Bei einem Verstoß ohne Punkte – etwa einer Verwarnung fürs Falschparken – ist § 4c nicht einschlägig. Nach § 23 StVG kann das mit einer Geldbuße bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Damit sind ausdrücklich auch gewerbliche Angebote erfasst, die gegen Bezahlung einen „Ersatzfahrer“ vermitteln.

Ihr Schweigerecht bleibt davon unberührt. Verpflichtend sind allein die Angaben zur eigenen Person (§ 111 OWiG). Sie müssen niemanden benennen und dürfen zum Tatvorwurf schweigen. Verboten ist das aktive Täuschen, nicht das Schweigen.

Ausführlich erklärt ist die neue Regelung auf der Seite Führerschein und Fahrerlaubnis.

Häufige Fragen: geblitzt worden

Ich wurde geblitzt - was muss ich jetzt tun?

Bewahren Sie Ruhe. Zunächst passiert nichts, was Sie sofort erledigen müssten. Warten Sie den Anhörungsbogen oder den Bußgeldbescheid ab, unterschreiben Sie nichts vorschnell und benennen Sie sich nicht unüberlegt selbst als Fahrer. Lassen Sie die Messung im Zweifel prüfen.

Wie lange dauert es, bis der Bescheid kommt?

Der Anhörungsbogen erreicht Betroffene oft nach ein bis drei Wochen. Die Ordnungswidrigkeit verjährt seit dem 1. Juli 2026 einheitlich sechs Monate nach der Tat (§ 26 Abs. 3 Satz 1 StVG); der Anhörungsbogen unterbricht die Frist, sie beginnt dann von neuem (§ 33 Abs. 1 Nr. 1 OWiG).

Was passiert, wenn gar kein Bescheid kommt?

Ergeht innerhalb der sechsmonatigen Frist kein Bußgeldbescheid und wird sie auch nicht unterbrochen, ist die Tat in der Regel verjährt und darf nicht mehr geahndet werden. Sie müssen dann nichts unternehmen.

Ist eine Messung ohne gespeicherte Rohmessdaten verwertbar?

Ja. Der Bundesgerichtshof hat am 2. Juli 2026 entschieden, dass die Nichtspeicherung der zur Messwertbildung erfassten und verarbeiteten Daten bei einem standardisierten Messverfahren weder den Grundsatz des fairen Verfahrens verletzt noch ein Beweisverwertungsverbot begründet (4 StR 235/25). Der Anspruch auf Einsicht in vorhandene Unterlagen bleibt davon unberührt: Eichschein, Messprotokoll und die vollständige Falldatei können Sie weiterhin anfordern.

Wie viel Toleranz wird beim Blitzen abgezogen?

Bis 100 km/h werden pauschal 3 km/h von der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen, ab 100 km/h sind es 3 % des Messwerts. Maßgeblich ist immer die bereits um die Toleranz bereinigte Geschwindigkeit.

Muss ich das Bußgeld sofort bezahlen?

Ein Verwarnungsgeld (bis 55 €) zahlen Sie nur, wenn Sie einverstanden sind. Gegen einen Bußgeldbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Einspruch einlegen; erst danach wird er rechtskräftig.

Was gilt, wenn ich auf dem Blitzerfoto nicht zu erkennen bin?

Die Behörde muss den Fahrer ermitteln. Als Halter sind Sie nicht automatisch verantwortlich und müssen niemanden belasten. Lässt sich der Fahrer nicht feststellen, kann allerdings eine Fahrtenbuchauflage drohen (§ 31a StVZO).

Wann lohnt sich ein Einspruch, wenn ich geblitzt wurde?

Häufig bei Messfehlern, fehlender oder abgelaufener Eichung, falschem Aufstellwinkel oder Zweifeln an der Fahreridentifizierung. Sie können Ihren Fall kostenlos online prüfen lassen.

Darf ich nach einem Blitzerfoto einfach jemand anderen als Fahrer angeben?

Nein. Seit dem 1. Juli 2026 ist die Täuschung über den Beteiligten an einer punktebewehrten Ordnungswidrigkeit (Anlage 13 FeV) nach § 4c StVG verboten und kann nach § 23 StVG mit bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Sie dürfen aber schweigen: Pflicht sind nur die Angaben zur eigenen Person (§ 111 OWiG).

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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  • Messung und EichungWar das Messgerät geeicht und korrekt aufgestellt?
  • FahrerfotoSind Sie auf dem Blitzerfoto eindeutig zu erkennen?
  • Fristen und VerjährungKam der Bescheid rechtzeitig und korrekt zugestellt?
  • FahrverbotLässt es sich abwenden, etwa gegen ein höheres Bußgeld?