Die beiden stationären Blitzer an der B68 im Süden von Paderborn gehören zu den aktivsten Messanlagen in Ostwestfalen. Wie Radio Hochstift am 21. Oktober 2026 berichtete, haben die zwei Säulen an der Kreuzung mit der B64 seit August 2025 fast 75.000 Mal ausgelöst. Das entspricht nach Rechnung des Senders im Schnitt etwa einem Foto alle acht Minuten. Gleichzeitig prüft das Amtsgericht Paderborn in einem laufenden Verfahren, ob die Anlage korrekt aufgestellt ist.
Tempo 50 statt 70 am Unfallschwerpunkt
Der Knotenpunkt von B68 und B64 an der Warburger Straße gilt seit Jahren als Unfallschwerpunkt. Seit 2020 wurden dort nach Angaben aus der Unfallkommission mehr als 70 Unfälle gezählt, rund jeder zehnte davon mit Schwerverletzten. Die Kommission aus Polizei, Ordnungsamt und Straßenverkehrsbehörde beschloss deshalb eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Seit dem 29. Juli 2025 gilt an der Kreuzung Tempo 50 statt zuvor 70 km/h.
Die Begrenzung ist als Übergangslösung gedacht: Sie soll gelten, bis an der Kreuzung eine Ampel gebaut ist. Deren Bau verzögert sich allerdings. Überwacht wird das Tempolimit seit August 2025 von zwei stationären Blitzersäulen, je eine für die Fahrtrichtung Paderborn und die Fahrtrichtung Lichtenau.
Fast so viele Fotos wie im ganzen Kreis
Wie hoch die Einnahmen aus den beiden Anlagen sind, lässt sich nach Angaben der Stadt Paderborn nicht separat ermitteln. Radio Hochstift schätzt sie auf einen Betrag in Millionenhöhe. Zur Einordnung zieht der Sender einen Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 lösten alle Blitzer im Kreis Paderborn zusammen etwa 75.000 Mal aus, also ungefähr so oft wie die beiden B68-Säulen allein in gut 14 Monaten.
Eine offizielle Jahresbilanz der Stadt zu den Messungen an der B68 liegt bislang nicht vor. Die genaue Herkunft der Zahl von fast 75.000 Auslösungen hat der Sender nicht im Einzelnen offengelegt. Nicht jede Auslösung führt zudem zwingend zu einem Bußgeldverfahren, etwa wenn ein Foto nicht auswertbar ist oder Einsatzfahrzeuge betroffen sind.
Diese Bußgelder drohen innerorts
Wer an der Kreuzung zu schnell fährt, muss mit den Regelsätzen des bundesweiten Bußgeldkatalogs für Verstöße innerhalb geschlossener Ortschaften rechnen. Für Pkw gelten folgende Sätze, jeweils nach Abzug der Messtoleranz:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot | Einspruch |
|---|---|---|---|---|
| bis 10 km/h zu schnell | 30 € | keine | nein | prüfen |
| 11 bis 15 km/h zu schnell | 50 € | keine | nein | prüfen |
| 16 bis 20 km/h zu schnell | 70 € | keine | nein | prüfen |
| 21 bis 25 km/h zu schnell | 115 € | 1 | nein | prüfen |
| 26 bis 30 km/h zu schnell | 180 € | 1 | nur bei Wiederholung | prüfen |
| 31 bis 40 km/h zu schnell | 260 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| 41 bis 50 km/h zu schnell | 400 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| 51 bis 60 km/h zu schnell | 560 € | 2 | 2 Monate | prüfen |
| 61 bis 70 km/h zu schnell | 700 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
| über 70 km/h zu schnell | 800 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
Bei 26 bis 30 km/h zu viel droht ein Fahrverbot von einem Monat, wenn innerhalb eines Jahres bereits eine Überschreitung um mindestens 26 km/h rechtskräftig geahndet wurde. Weitere Details stehen in der Übersicht zur Geschwindigkeitsüberschreitung und zum Fahrverbot.
Amtsgericht lässt Messung begutachten
Für Aufmerksamkeit sorgt ein Verfahren, über das Radio Hochstift im September 2026 berichtete. Ein Autofahrer war an der Kreuzung mit mehr als 80 km/h bei erlaubten 50 km/h gemessen worden. Neben dem Bußgeld sollte er ein einmonatiges Fahrverbot erhalten. Er legte Einspruch ein.
Im Mittelpunkt steht der Aufstellort der Säule. Laut Messprotokoll steht die Anlage mehr als fünf Meter vom Fahrbahnrand entfernt. Die Verteidigung hat vor Ort nach eigenen Angaben einen Abstand von weniger als drei Metern gemessen. Ob die Abweichung Einfluss auf die Messung hat, soll nun ein Sachverständiger klären. Das Amtsgericht Paderborn hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, bis dahin ruht das Verfahren. Ein Ergebnis ist bislang nicht bekannt.
Für andere Betroffene bedeutet das Verfahren zunächst keine automatische Änderung ihrer Bescheide. Ein Bußgeldbescheid wird rechtskräftig, wenn nicht innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt wird. Ob ein Einspruch im Einzelfall Aussicht auf Erfolg hat, hängt unter anderem von der Messakte, dem Eichschein und der Dokumentation des Aufstellorts ab.
Stationäre Blitzer in NRW
Stationäre Messanlagen wie an der B68 werden in Nordrhein-Westfalen in der Regel von den Kommunen betrieben. Dass einzelne Anlagen an Unfallschwerpunkten sehr häufig auslösen, ist kein Einzelfall. Die Stadt Bielefeld etwa nahm 2024 mit dem Blitzer auf der A2 am Bielefelder Berg nach Angaben von Radio Hochstift rund 7,2 Millionen Euro ein. Eine Übersicht über Messstellen im Land bietet die Seite Blitzer in NRW.
An der Kreuzung B68/B64 dürfte sich die Lage erst ändern, wenn die geplante Ampel in Betrieb geht. Bis dahin bleibt es bei Tempo 50 und den beiden Messsäulen.
Quellen
- Radio Hochstift: „Alle acht Minuten ein Foto: B68-Blitzer in Paderborn sorgen für Millioneneinnahmen“
- Radio Hochstift: Bericht zum Gutachten des Amtsgerichts Paderborn über den B68-Blitzer
- Radio Hochstift: Bericht zum neuen Tempolimit an der Paderborner B68-Kreuzung
- Westfalen-Blatt: Bericht zu Tempo 50 und Blitzern an der Kreuzung B68/B64 zwischen Paderborn und Lichtenau
- Bundesministerium der Justiz: Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV), Anlage Tabelle 1c
Bild: KI-generiert
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