Die Polizei Bremen hat erneut mit zivilen Videostreifen gezielt Raser kontrolliert. Am Donnerstag und Freitag (15. und 16. Oktober 2026) waren die Einsatzkräfte im Stadtgebiet und auf den Autobahnen unterwegs. Im Fokus standen Raser und sogenannte Poser. Die Bilanz laut Polizei: zehn Anzeigen und drohende Bußgelder von insgesamt rund 6.300 Euro. Drei junge Fahrerinnen und Fahrer müssen zudem mit einem Fahrverbot rechnen.
191 statt 120 km/h auf der A27
Den höchsten gemessenen Wert erreichte ein 22-jähriger VW-Fahrer auf der A27. Bei erlaubten 120 km/h wurde er mit 191 km/h gemessen. Nach Angaben der Polizei drohen ihm dafür 1.400 Euro Bußgeld und drei Monate Fahrverbot.
Innerorts fielen vor allem zwei Fälle auf. Am Donnerstagabend erwischten die Beamten auf der Oldenburger Straße einen 23-jährigen BMW-Fahrer, der mit 92 statt der erlaubten 50 km/h unterwegs war. Ihn erwarten laut Polizei 640 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot.
Eine 25-jährige BMW-Fahrerin fiel gleich zweimal auf. Unter anderem war sie auf der Hochstraße Breitenweg in der Bremer Innenstadt mit 102 statt 50 km/h unterwegs, also mit mehr als doppelter Geschwindigkeit. Auf sie kommen nach Polizeiangaben voraussichtlich 1.760 Euro Bußgeld und drei Monate Fahrverbot zu.
Ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs
Auch am Freitagabend stellten die Videostreifen mehrere erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen fest. Ein 35-jähriger Mercedes-Fahrer war auf der Bremerhavener Straße nicht nur deutlich zu schnell, er besaß auch keine in Deutschland gültige Fahrerlaubnis. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Nach Angaben der Polizei war er bereits in der Vergangenheit mehrfach wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis aufgefallen.
Anders als ein Tempoverstoß ist das Fahren ohne Fahrerlaubnis keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat nach § 21 Straßenverkehrsgesetz. Bei Vorsatz sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor. Zusätzlich kann das Gericht eine Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis anordnen.
Was der Bußgeldkatalog für hohe Tempoverstöße vorsieht
Die Polizei hat nicht im Einzelnen aufgeschlüsselt, wie sich die genannten Beträge zusammensetzen. Die drohenden Summen liegen teils deutlich über den Regelsätzen des bundeseinheitlichen Bußgeldkatalogs. Das ist rechtlich möglich: Geht die Behörde von vorsätzlichem Rasen aus, wird der Regelsatz bei Tempoverstößen nach § 3 Abs. 4a der Bußgeldkatalog-Verordnung verdoppelt. Bei der 25-Jährigen kommt hinzu, dass sie zweimal auffiel. Welche Stufe im Katalog am Ende gilt, hängt außerdem von der vorwerfbaren Geschwindigkeit nach Abzug der Messtoleranz ab.
Zur Einordnung die Regelsätze für Pkw bei fahrlässiger Begehung, ohne Gebühren und Auslagen:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot | Einspruch |
|---|---|---|---|---|
| innerorts 41 bis 50 km/h zu schnell | 400 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| innerorts 51 bis 60 km/h zu schnell | 560 € | 2 | 2 Monate | prüfen |
| innerorts 61 bis 70 km/h zu schnell | 700 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
| außerorts 51 bis 60 km/h zu schnell | 480 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| außerorts 61 bis 70 km/h zu schnell | 600 € | 2 | 2 Monate | prüfen |
| außerorts mehr als 70 km/h zu schnell | 700 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
Wer vorsätzlich handelt, muss mit dem doppelten Betrag rechnen. Aus 700 Euro werden dann 1.400 Euro. Die Punkte und die Dauer des Fahrverbots bleiben dabei grundsätzlich gleich. Eine Übersicht aller Stufen bietet unser Bußgeldkatalog zur Geschwindigkeitsüberschreitung, Einzelheiten etwa zu mehr als 70 km/h außerorts oder zu 51 bis 60 km/h innerorts stehen auf den jeweiligen Unterseiten.
So arbeiten zivile Videostreifen
Bei einer Videostreife misst die Polizei die Geschwindigkeit aus einem fahrenden, äußerlich nicht als Polizeifahrzeug erkennbaren Auto heraus. Das Messfahrzeug folgt dem betroffenen Fahrzeug über eine Strecke und zeichnet die Fahrt mit einer Kamera auf. Ein geeichtes Messsystem im Fahrzeug ermittelt dabei die eigene Geschwindigkeit, aus der sich die des vorausfahrenden Autos ableiten lässt. Der Vorteil für die Polizei: Auch Verstöße abseits fester Blitzer und kurze Beschleunigungsfahrten, wie sie bei Posern typisch sind, lassen sich dokumentieren.
Für die Verwertbarkeit einer solchen Messung gelten Anforderungen, etwa an die Eichung des Systems, einen ausreichend gleichbleibenden Abstand zwischen den Fahrzeugen und die Messstrecke. Wie Gerichte solche Fragen bewerten, zeigt unser Beitrag zur Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren. Zur Frage, wann Gerichte bei hohen Überschreitungen von Vorsatz ausgehen, gibt es ebenfalls einen Beitrag zu einer Entscheidung des OLG Zweibrücken.
Polizei kündigt weitere Kontrollen an
Die Polizei Bremen will die Kontrollen auch künftig fortsetzen. Sie verweist darauf, dass überhöhte Geschwindigkeit zu den Hauptursachen schwerer Verkehrsunfälle zählt. Gerade bei Dunkelheit und nassen Straßen in der Herbstzeit könnten wenige Stundenkilometer zu viel über die Folgen eines Unfalls entscheiden.
Für die Betroffenen sind die genannten Beträge zunächst drohende Sanktionen. Verbindlich werden Bußgeld, Punkte und Fahrverbot erst mit einem rechtskräftigen Bußgeldbescheid oder einer gerichtlichen Entscheidung. Gegen einen Bußgeldbescheid kann innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden. Wann ein Fahrverbot beginnt und welche Regeln dafür gelten, erklärt unsere Seite zum Fahrverbot.
Quellen
- Polizei Bremen: Pressemitteilung Nr. 0678 „Mit Vollgas ins Fahrverbot - Polizei kontrolliert Raser“ vom 17.10.2026
- Radio Bremen (buten un binnen): „Polizei verhängt Bußgelder und Fahrverbote gegen 10 Raser in Bremen“ vom 17.10.2026
- Weser-Kurier: „191 statt 120 km/h: Polizei kontrolliert Raser und Poser in Bremen“ vom 17.10.2026
- Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV) mit Bußgeldkatalog, § 3 Abs. 4a
- Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 21
Bild: KI-generiert
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