Außerorts mehr als 70 km/h zu schnell
Außerorts mehr als 70 km/h zu schnell
So hoch fällt das Bußgeld aus
Für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 70 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften sieht der Bußgeldkatalog einen Regelsatz von 700 Euro vor (Nr. 11.3.10 der Tabelle 1 im Anhang zu Nummer 11 der Anlage BKatV) [1].
Hinzu kommen die Kosten des Verfahrens. Die Gebühr für den Bußgeldbescheid beträgt fünf Prozent der Geldbuße, hier also 35 Euro, dazu 3,50 Euro Zustellungspauschale (§ 107 Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 2 OWiG) [3]. Unter dem Strich stehen damit 738,50 Euro auf dem Bescheid.
Häufig liest man an dieser Stelle pauschal 28,50 Euro Verwaltungsgebühr. Das trifft nur auf kleinere Bußgelder zu: 28,50 Euro sind die Mindestgebühr von 25 Euro plus Zustellung. Sobald fünf Prozent der Geldbuße darüber liegen, also ab 500 Euro Bußgeld, gilt der Prozentsatz.
| Überschreitung | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot | Einspruch |
|---|---|---|---|---|
| 41 bis 50 km/h | 320 € | 2 | 1 Monat | > Hier prüfen |
| 51 bis 60 km/h | 480 € | 2 | 1 Monat | > Hier prüfen |
| 61 bis 70 km/h | 600 € | 2 | 2 Monate | > Hier prüfen |
| über 70 km/h | 700 € | 2 | 3 Monate | > Hier prüfen |
Zum Vergleich: innerorts liegt der Regelsatz bei derselben Überschreitung bei 800 Euro, ebenfalls mit 2 Punkten und drei Monaten Fahrverbot.
Innerhalb der Stufe spielt es keine Rolle, ob die Überschreitung am unteren oder am oberen Rand liegt: Der Bußgeldkatalog kennt für die gesamte Spanne denselben Regelsatz. Für Lkw, Busse und Pkw mit Anhänger gelten eigene, höhere Sätze (Tabelle 1 Buchstabe a und b).
Zwei Punkte in Flensburg
Der Verstoß wird mit zwei Punkten im Fahreignungsregister eingetragen. Anlage 13 Nr. 2.2.3 FeV erfasst ihn über Nr. 11.3.10 der Tabelle 1 [2]. Eingetragen wird erst, wenn der Bußgeldbescheid rechtskräftig ist - im Bescheid selbst sind die Punkte nur angekündigt. Wer damit acht Punkte erreicht, verliert die Fahrerlaubnis.
Drei Monate Fahrverbot
Der Bußgeldkatalog sieht für diesen Tatbestand ein Fahrverbot von drei Monate vor. Länger geht es nicht: § 25 Abs. 1 StVG lässt höchstens drei Monate zu.
Wirksam wird das Fahrverbot, sobald der Führerschein nach Rechtskraft in amtliche Verwahrung gelangt, spätestens aber einen Monat nach Eintritt der Rechtskraft (§ 25 Abs. 2 StVG) [4]. Wer in den zwei Jahren vor der Tat kein Fahrverbot hatte, darf den Antrittszeitpunkt innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft selbst wählen (§ 25 Abs. 2a StVG). Diese Regel gilt nur für das erste Fahrverbot.
Toleranzabzug: Was von der Messung abgezogen wird
Vor der Bewertung zieht die Bußgeldstelle einen Toleranzwert von der gemessenen Geschwindigkeit ab: 3 km/h bei einem Messwert unter 100 km/h, sonst 3 Prozent des Messwerts [12]. Bei einer Überschreitung dieser Größenordnung liegt der Messwert außerorts praktisch immer über 100 km/h, es greift also die prozentuale Toleranz.
Ein Rechenbeispiel: Bei erlaubten 100 km/h gemessene 178 km/h ergeben nach Abzug von drei Prozent (5,34 km/h) einen vorwerfbaren Wert von 172 km/h - das sind 72 km/h zu viel und damit dieser Tatbestand. Wie der Abzug im Einzelnen funktioniert, steht im Beitrag zum Toleranzabzug bei Geschwindigkeitsmessungen.
Wann sich das Bußgeld verdoppelt
Die Regelsätze des Bußgeldkatalogs gelten für fahrlässiges Handeln. Wird die Überschreitung als vorsätzlich bewertet, ist der Regelsatz nach § 3 Abs. 4a BKatV zu verdoppeln [5] - aus 700 Euro werden dann 1.400 Euro. Bei einer Überschreitung dieser Größenordnung liegt der Vorwurf nahe, automatisch ist er trotzdem nicht: Die Behörde muss den Vorsatz im Einzelfall begründen, und dagegen lässt sich argumentieren.
Umgekehrt kann die Behörde oder das Gericht ausnahmsweise vom Fahrverbot absehen, etwa bei einer beruflichen Härte. Dann soll die Geldbuße nach § 4 Abs. 4 BKatV angemessen erhöht werden [6]. Ein Anspruch darauf besteht nicht, und die Hürden sind hoch.
Strafen verhindern: Wann sich ein Einspruch lohnt
Bei 700 Euro, zwei Punkten und drei Monate ohne Führerschein lohnt sich ein genauer Blick in den Bescheid. Typische Ansatzpunkte:
- Das Messgerät war zum Tatzeitpunkt nicht geeicht oder die Eichfrist war abgelaufen.
- Der Messbetrieb weicht von der Gebrauchsanweisung des Herstellers ab, etwa beim Aufstellwinkel oder beim Abstand zur Fahrbahn.
- Auf dem Messfoto ist der Fahrer nicht eindeutig erkennbar oder das Fahrzeug nicht sicher zuzuordnen.
- Der Bescheid enthält Formfehler, etwa eine falsche Tatzeit oder einen falschen Tatort.
- Die Verjährungsfrist war bereits abgelaufen.
- Der Vorwurf des Vorsatzes ist nicht begründet.
Welches Gerät gemessen hat, steht im Messprotokoll in der Akte. Eine Übersicht der in Deutschland eingesetzten Geräte finden Sie unter Blitzermodelle; was direkt nach der Messung passiert, steht auf der Seite geblitzt.
Bussgeldportal.de bietet Ihnen die kostenlose Möglichkeit, Ihren Bußgeldbescheid oder Anhörungsbogen auf Fehler prüfen zu lassen.
In der Probezeit mehr als 70 km/h zu schnell
Für Fahranfänger in der Probezeit kommt einiges hinzu. Weil die Überschreitung 21 km/h oder mehr beträgt und deshalb ins Fahreignungsregister eingetragen wird, ist sie ein A-Verstoß (Anlage 12 Abschnitt A Nr. 2.1 FeV) [7]. Die Folgen nach § 2a Abs. 2 und 2a StVG:
- Die Probezeit verlängert sich um zwei auf insgesamt vier Jahre.
- Die Teilnahme an einem Aufbauseminar wird angeordnet. Die Kosten trägt der Fahranfänger selbst; sie sind gesetzlich nicht festgelegt, sondern werden vom Kursanbieter bestimmt.
- Die regulären Sanktionen bleiben bestehen: 700 Euro, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot.
Kommt ein weiterer A-Verstoß hinzu, folgt eine Verwarnung mit der Empfehlung einer verkehrspsychologischen Beratung; beim dritten wird die Fahrerlaubnis entzogen.
Verjährung und Fristen
Seit dem 1. Juli 2026 verjährt die Verfolgung einheitlich nach sechs Monaten (§ 26 Abs. 3 Satz 1 StVG) [9]. Die frühere Zweiteilung - drei Monate, solange kein Bußgeldbescheid ergangen war, danach sechs Monate - hat der Gesetzgeber gestrichen: Artikel 1 Nummer 21 Buchstabe b des Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften vom 12. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 142) [10], in Kraft seit dem 1. Juli 2026 (Artikel 9 Absatz 1). Wer noch liest, nach drei Monaten ohne Post sei die Sache erledigt, liest einen veralteten Stand.
Die Frist läuft ab dem Tag der Tat, wird aber unterbrochen - etwa durch die Anhörung des Betroffenen oder deren Anordnung (§ 33 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 OWiG) [11]. Nach jeder Unterbrechung beginnt sie von Neuem. Eine absolute Grenze gibt es trotzdem: Spätestens nach dem Doppelten der gesetzlichen Frist, mindestens aber nach zwei Jahren, ist die Verfolgung verjährt (§ 33 Abs. 3 Satz 2 OWiG). Bekommen Sie einen Anhörungsbogen, ist die Verjährung damit bereits unterbrochen.
Nach Zustellung des Bußgeldbescheids haben Sie zwei Wochen Zeit für den Einspruch (§ 67 Abs. 1 OWiG) [8]. Die Frist läuft auch dann, wenn Sie im Urlaub sind - eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gibt es nur unter engen Voraussetzungen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Bußgeld bei mehr als 70 km/h zu schnell außerorts?
Der Bußgeldkatalog sieht in Nr. 11.3.10 einen Regelsatz von 700 Euro vor. Dazu kommen die Gebühr von fünf Prozent der Geldbuße, also 35 Euro, und 3,50 Euro für die Zustellung (§ 107 Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 2 OWiG) - zusammen 738,50 Euro.
Stimmen die oft genannten 28,50 Euro Verwaltungsgebühr?
Nicht in dieser Höhe. 28,50 Euro sind die Mindestgebühr von 25 Euro plus 3,50 Euro Zustellung. Die Gebühr beträgt nach § 107 Abs. 1 OWiG fünf Prozent der Geldbuße, mindestens 25 und höchstens 7.500 Euro. Bei 700 Euro Geldbuße sind das 35 Euro.
Wie viele Punkte gibt es für mehr als 70 km/h zu schnell außerorts?
Zwei Punkte im Fahreignungsregister. Anlage 13 Nr. 2.2.3 FeV erfasst diesen Tatbestand über Nr. 11.3.10 der Tabelle 1. Eingetragen wird erst nach Rechtskraft des Bußgeldbescheids.
Wie lange dauert das Fahrverbot?
Drei Monate. Der Bußgeldkatalog sieht diese Dauer für den Tatbestand als Regelfall vor; § 25 Abs. 1 StVG lässt ein Fahrverbot von einem bis zu drei Monaten zu.
Kann ich mir den Zeitpunkt des Fahrverbots aussuchen?
Nur wenn in den zwei Jahren vor der Tat kein Fahrverbot gegen Sie verhängt wurde. Dann dürfen Sie den Führerschein nach § 25 Abs. 2a StVG innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft abgeben und den Antrittszeitpunkt selbst wählen. Sonst wird das Fahrverbot spätestens einen Monat nach Rechtskraft wirksam.
Lässt sich das Fahrverbot durch eine höhere Geldbuße abwenden?
Möglich ist es, aber es ist die Ausnahme. Sieht die Behörde oder das Gericht ausnahmsweise von einem Fahrverbot ab, soll die Geldbuße nach § 4 Abs. 4 BKatV angemessen erhöht werden. Einen Anspruch darauf gibt es nicht; ein Härtefall muss dargelegt und belegt werden.
Kann sich das Bußgeld verdoppeln?
Ja. Wird die Überschreitung als vorsätzlich bewertet, ist der Regelsatz nach § 3 Abs. 4a BKatV zu verdoppeln - aus 700 Euro werden dann 1.400 Euro. Automatisch ist das nicht, die Behörde muss den Vorsatz im Einzelfall begründen.
Welche Toleranz wird abgezogen?
Bei einer gemessenen Geschwindigkeit unter 100 km/h zieht die Bußgeldstelle 3 km/h ab, ab 100 km/h drei Prozent des Messwerts. Der Abzug gleicht die zulässige Messabweichung des Geräts aus.
Was bedeutet der Verstoß in der Probezeit?
Er zählt als A-Verstoß (Anlage 12 Abschnitt A Nr. 2.1 FeV). Die Probezeit verlängert sich um zwei auf insgesamt vier Jahre und die Teilnahme an einem Aufbauseminar wird angeordnet (§ 2a Abs. 2 und 2a StVG) - zusätzlich zu Bußgeld, Punkten und Fahrverbot.
Wann verjährt der Verstoß?
Seit dem 1. Juli 2026 einheitlich nach sechs Monaten (§ 26 Abs. 3 Satz 1 StVG). Die frühere Dreimonatsfrist bis zum Bußgeldbescheid ist entfallen. Jede Unterbrechung nach § 33 OWiG, etwa die Anhörung, setzt die Frist neu in Gang.
Wie lange habe ich Zeit für einen Einspruch?
Zwei Wochen ab Zustellung des Bußgeldbescheids (§ 67 Abs. 1 OWiG). Der Einspruch ist schriftlich oder zu Protokoll bei der Behörde einzulegen, die den Bescheid erlassen hat.