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A81 bei Boxberg: Mit 177 statt 100 km/h durch die Baustelle

Die Polizei hat auf der A81 im Main-Tauber-Kreis eine Autofahrerin mit 177 km/h in einer Baustelle gemessen, erlaubt waren 100 km/h. Ihr drohen 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.

Redaktion Bußgeldportal 4 Min. Lesezeit

Auf der Autobahn 81 im Main-Tauber-Kreis hat die Polizei am Donnerstag, 29. Oktober 2026, eine Autofahrerin gemessen, die mit 177 km/h durch einen Baustellenbereich gefahren sein soll. Erlaubt waren dort 100 km/h. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Heilbronn drohen der 27-Jährigen nun 700 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

Was die Polizei mitteilt

Laut der Pressemitteilung vom 30. Oktober führten Polizeibeamte gegen 9.30 Uhr Geschwindigkeitsmessungen im Baustellenbereich zwischen den Anschlussstellen Ahorn und Boxberg durch. Dabei fiel die Fahrerin eines Opel auf: Bei erlaubten 100 km/h zeigte die Messung 177 km/h. Die Polizei spricht davon, dass die Frau die zulässige Höchstgeschwindigkeit „mit über 70 Km/h“ überschritten haben soll.

Die Beamten hielten die 27-Jährige auf dem Parkplatz Holzspitze an, der an der A81 zwischen den beiden Anschlussstellen liegt, und kontrollierten sie. Welches Messgerät eingesetzt wurde, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Polizei formuliert den Vorwurf als Verdacht; ein Bußgeldbescheid ist damit noch nicht ergangen.

So kommt die Einstufung „über 70 km/h“ zustande

Maßgeblich für die Höhe der Strafe ist nicht der angezeigte Messwert, sondern die vorwerfbare Geschwindigkeit nach Abzug der Messtoleranz. Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h werden in der Regel 3 Prozent des Messwerts abgezogen, wobei auf volle km/h aufgerundet wird. Bei 177 km/h sind das 5,31 km/h, also 6 km/h. Vorgeworfen werden damit 171 km/h, das entspricht einer Überschreitung um 71 km/h.

Damit liegt der Fall knapp in der höchsten Stufe des Bußgeldkatalogs für Pkw außerorts. Wäre die Überschreitung nach Toleranzabzug nur 70 km/h gewesen, läge der Regelsatz bei 600 Euro und zwei Monaten Fahrverbot. Für Baustellen sieht die Bußgeldkatalog-Verordnung keinen eigenen Zuschlag vor. Ein Autobahnabschnitt mit Baustelle gilt als außerorts, es gelten also die normalen Außerorts-Sätze, bezogen auf das dort angeordnete Tempolimit.

Die Regelsätze für Pkw außerorts

Die folgende Übersicht zeigt die Regelsätze nach der Bußgeldkatalog-Verordnung (Anhang zu Nummer 11, Tabelle 1 Buchstabe c) für Pkw und andere Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen außerhalb geschlossener Ortschaften, ergänzt um die Punkte nach der Fahrerlaubnis-Verordnung.

Bußgeldkatalog 2026: Tempoverstoß außerorts mit dem Pkw
VerstoßBuß­geldPunk­teFahrverbotEinspruch
21 bis 25 km/h zu schnell100 €1neinprüfen
26 bis 30 km/h zu schnell150 €1neinprüfen
31 bis 40 km/h zu schnell200 €1neinprüfen
41 bis 50 km/h zu schnell320 €21 Monatprüfen
51 bis 60 km/h zu schnell480 €21 Monatprüfen
61 bis 70 km/h zu schnell600 €22 Monateprüfen
über 70 km/h zu schnell700 €23 Monateprüfen

Zu den Bußgeldern kommen Gebühren und Auslagen der Bußgeldbehörde hinzu. Wer innerhalb eines Jahres zweimal um 26 km/h oder mehr zu schnell war, muss nach der Bußgeldkatalog-Verordnung in der Regel auch unterhalb der Fahrverbots-Stufen mit einem Monat Fahrverbot rechnen. Weitere Einzelheiten stehen in unserer Übersicht zur Geschwindigkeitsüberschreitung.

Wenn Vorsatz angenommen wird

Die Regelsätze des Bußgeldkatalogs gehen von fahrlässigem Handeln aus. Geht die Behörde oder ein Gericht von Vorsatz aus, ist der Regelsatz nach § 3 Absatz 4a der Bußgeldkatalog-Verordnung zu verdoppeln. Bei sehr deutlichen Überschreitungen, gerade wenn das Tempolimit mehrfach angezeigt war, wird Vorsatz in der Praxis häufiger angenommen. Ob das im Fall von der A81 geschieht, ist offen. Im Fall einer Verdopplung läge das Bußgeld bei 1.400 Euro, Punkte und Fahrverbot blieben gleich.

Wann das Fahrverbot beginnt

Ein Fahrverbot wird erst wirksam, wenn der Bußgeldbescheid rechtskräftig ist. Wer in den zwei Jahren davor kein Fahrverbot hatte, kann den Beginn nach dem Straßenverkehrsgesetz innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft selbst wählen. Während des Verbots muss der Führerschein bei der zuständigen Behörde abgegeben werden. Mehr dazu erklärt unser Ratgeber zum Fahrverbot.

Gegen einen Bußgeldbescheid kann innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden. Ob sich das lohnt, hängt vom Einzelfall ab, etwa davon, ob die Messung ordnungsgemäß durchgeführt und dokumentiert wurde und ob der Fahrer eindeutig zu erkennen ist.

Warum in Baustellen kontrolliert wird

Baustellenbereiche auf Autobahnen sind wegen verengter Fahrstreifen, fehlender Standstreifen und Arbeiten nahe der Fahrbahn besonders unfallträchtig. Die Polizei kontrolliert dort deshalb regelmäßig die Geschwindigkeit. Mitte Oktober hatte die Polizei in der Westpfalz bei der Operation Nachtfalter einen Autofahrer gemessen, der mit 178 statt 100 km/h durch eine Baustelle auf der A63 gefahren war. Allgemeine Regeln für das Fahren auf Schnellstraßen fasst unsere Seite zu Autobahn und Kraftfahrstraßen zusammen.

Quellen

  • Polizeipräsidium Heilbronn: „POL-HN: Main-Tauber-Kreis: Geschwindigkeitsüberschreitung“ (Pressemitteilung vom 30.10.2026)
  • Bundesministerium der Justiz: Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV), § 3 und Anhang zu Nummer 11 der Anlage
  • Bundesministerium der Justiz: Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 13
  • Bundesministerium der Justiz: Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 25

Bild: KI-generiert

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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  • Messung und EichungWar das Messgerät geeicht und korrekt aufgestellt?
  • FahrerfotoSind Sie auf dem Blitzerfoto eindeutig zu erkennen?
  • Fristen und VerjährungKam der Bescheid rechtzeitig und korrekt zugestellt?
  • FahrverbotLässt es sich abwenden, etwa gegen ein höheres Bußgeld?