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VG Koblenz: Auto-Poser verliert Führerschein, weil er die MPU verweigert

Ein 2003 geborener Autofahrer fiel in Koblenz wiederholt mit lautem Beschleunigen und überlauter Musik auf. Weil er die angeordnete MPU nicht vorlegte, durfte ihm die Fahrerlaubnis entzogen werden, entschied das Verwaltungsgericht im Eilverfahren.

Redaktion Bußgeldportal 4 Min. Lesezeit

Wer in der Innenstadt immer wieder mit aufheulendem Motor und lauter Musik auf sich aufmerksam macht, riskiert mehr als ein Bußgeld. Das Verwaltungsgericht Koblenz hat in einem Eilverfahren entschieden, dass einem sogenannten Auto-Poser die Fahrerlaubnis entzogen werden durfte. Den Ausschlag gab eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), die der junge Mann nicht absolviert hatte. Das Gericht hat die Entscheidung am 19. Oktober 2026 in einer Pressemitteilung bekannt gemacht.

Der Fall aus Koblenz

Betroffen ist ein 2003 geborener Autofahrer. Nach Angaben des Gerichts war er mehrfach in der Koblenzer Innenstadt durch „Auto-Posing“ aufgefallen. Mit gemieteten Fahrzeugen beschleunigte er wiederholt auf kurzen Strecken so stark, dass erheblicher Lärm entstand. Dazu spielte er überlaut Musik ab und beging innerorts einen Geschwindigkeitsverstoß. Bei Verkehrskontrollen der Polizei zeigte er sich nach Darstellung des Gerichts stets uneinsichtig.

Die zuständige Fahrerlaubnisbehörde ordnete daraufhin im Januar 2026 an, dass er ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorlegt. Das Gutachten brachte er nicht bei. Im Mai 2026 entzog ihm die Behörde deshalb die Fahrerlaubnis. Gegen diese Entscheidung legte der Mann Widerspruch ein und beantragte beim Verwaltungsgericht vorläufigen Rechtsschutz.

Was das Gericht entschieden hat

Der Eilantrag blieb ohne Erfolg (Beschluss vom 7. Oktober 2026, Az. 4 L 948/26.KO). Die Behörde habe den Antragsteller zu Recht als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen angesehen, so die Koblenzer Richter. Weil er das geforderte Gutachten nicht vorgelegt habe, dürfe auf seine fehlende Eignung geschlossen werden.

Wegen der wiederholten Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften sei die Behörde auch befugt gewesen, eine MPU zu verlangen. Das Gericht wurde in seiner Begründung deutlich: Der Antragsteller ordne seinem Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu erregen, offensichtlich die Regeln des Straßenverkehrs und die Belange der anderen Verkehrsteilnehmer und der Öffentlichkeit unter. Sein Verhalten zeige die Neigung, in für Auto-Poser typischer Weise den eigenen „übersteigerten Geltungsdrang“ über das geltende Recht zu stellen. Dieses charakterliche Defizit gebe Anlass für eine umgehende Klärung durch ein Gutachten.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz einlegen.

Warum das Punktesystem nicht vorgeht

Bemerkenswert ist der Umgang mit dem Fahreignungs-Bewertungssystem, also den Punkten in Flensburg. Grundsätzlich wird die Fahrerlaubnis über dieses System erst bei 8 Punkten entzogen, vorher gibt es Ermahnung und Verwarnung. Das Straßenverkehrsgesetz lässt aber frühere oder andere Maßnahmen zu, wenn sich deren Notwendigkeit aus anderen Vorschriften ergibt. Nach Auffassung des Gerichts stand der grundsätzliche Vorrang des Punktesystems der MPU-Anordnung deshalb nicht entgegen: Die Behörde habe davon ausgehen dürfen, dass eine frühzeitige Klärung der Fahreignung erforderlich war.

Die Fahrerlaubnis-Verordnung erlaubt eine MPU unter anderem bei erheblichen oder wiederholten Verstößen gegen verkehrsrechtliche Vorschriften. Wer ein angeordnetes Gutachten nicht fristgerecht vorlegt, muss damit rechnen, dass die Behörde ohne weitere Prüfung von fehlender Eignung ausgeht. Welche Vorschriften das Gericht im Einzelnen herangezogen hat, nennt die Pressemitteilung nicht. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei einem Autofahrer, dem nach 159 Parkverstößen in einem Jahr der Führerschein entzogen wurde, obwohl er keine 8 Punkte hatte.

Was bei einer MPU geprüft wird und wie sie abläuft, erklärt unser Glossar-Eintrag zur MPU.

Diese Bußgelder gelten für Poser-Verhalten

Für das typische Poser-Verhalten selbst sieht der Bußgeldkatalog vergleichsweise niedrige Beträge und keine Punkte vor. Anders sieht es aus, wenn zusätzlich zu schnell gefahren wird. Die folgenden Regelsätze gelten für Pkw:

Bußgeldkatalog 2026: Auto-Posing und Tempo innerorts
VerstoßBuß­geldPunk­teFahrverbotEinspruch
Unnötiger Lärm oder vermeidbare Abgasbelästigung80 €keineneinprüfen
Unnützes Hin- und Herfahren innerorts mit Belästigung anderer100 €keineneinprüfen
Gehör durch Gerät beeinträchtigt, etwa durch zu laute Musik10 €keineneinprüfen
Innerorts 21 bis 25 km/h zu schnell115 €1neinprüfen
Innerorts 26 bis 30 km/h zu schnell180 €1neinprüfen
Innerorts 31 bis 40 km/h zu schnell260 €21 Monatprüfen

Bei 26 bis 30 km/h innerorts kann zusätzlich ein Fahrverbot von einem Monat drohen, wenn der Betroffene innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal mit mindestens 26 km/h zu viel erwischt wird. Alle Stufen finden sich in unserer Übersicht zur Geschwindigkeitsüberschreitung, wie Punkte verfallen und wann der Führerschein in Gefahr ist, unter Punkte in Flensburg.

Bußgeld und Führerscheinentzug sind zwei Verfahren

Der Koblenzer Fall zeigt, dass Bußgeldverfahren und Fahrerlaubnisrecht getrennt voneinander laufen. Das Bußgeld ahndet den einzelnen Verstoß. Die Fahrerlaubnisbehörde prüft dagegen, ob jemand grundsätzlich geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Dafür kann sie das Gesamtbild aus mehreren Auffälligkeiten heranziehen, auch wenn die einzelnen Verstöße für sich genommen nur geringe Bußgelder nach sich ziehen. Ob eine MPU-Anordnung im Einzelfall rechtmäßig ist, hängt allerdings stark von den konkreten Umständen ab.

Politische Debatte um härtere Regeln

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der über schärfere Regeln gegen Poser diskutiert wird. Der Bundesrat hat die Bundesregierung im September 2026 aufgefordert, einen bundeseinheitlichen Rechtsrahmen zu schaffen, mit höheren Sanktionen, Punkten in Flensburg und der Erprobung von Lärmblitzern. Eine ausdrückliche Forderung nach einer MPU für Poser soll in den Ausschussberatungen gestrichen worden sein. Details dazu stehen in unserem Bericht zur Bundesrats-Initiative gegen Autoposer. Der Koblenzer Beschluss zeigt, dass Behörden schon nach geltendem Recht eine MPU verlangen können, wenn sich das Verhalten wiederholt.

Quellen

  • Verwaltungsgericht Koblenz: Pressemitteilung Nr. 29/2026 „‚Auto-Poser‘ wird Fahrerlaubnis entzogen“ (Beschluss vom 7. Oktober 2026, 4 L 948/26.KO)
  • beck-aktuell: „Auto-Poser verliert Führerschein“
  • Bundesministerium der Justiz: Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV), Anlage

Bild: KI-generiert

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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