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Mit 202 km/h über die B448: Polizei zählt 358 Tempoverstöße bei Offenbach

Bei einer Geschwindigkeitskontrolle zwischen Offenbach und Obertshausen hat die Polizei 358 Verstöße gemessen, Spitzenwert 202 statt 120 km/h. 15 Fahrern droht ein Fahrverbot.

Redaktion Bußgeldportal 4 Min. Lesezeit

Bei einer Geschwindigkeitskontrolle auf der Bundesstraße 448 zwischen Offenbach am Main und Obertshausen hat die Polizei am Montagabend, 12. Oktober 2026, 358 Tempoverstöße festgestellt. Der schnellste Autofahrer war mit 202 km/h unterwegs, wo höchstens 120 km/h erlaubt sind. Ein Mercedes-Fahrer wurde in der Gegenrichtung mit 170 km/h gemessen, bei erlaubten 80 km/h. Insgesamt 15 Fahrern droht nach Angaben des Polizeipräsidiums Südosthessen ein Fahrverbot.

Viereinhalb Stunden Messung in beiden Richtungen

Die Kontrolle lief am Montag zwischen 17.30 Uhr und 22 Uhr. Die Beamten überwachten beide Fahrtrichtungen der B448. Insgesamt wurden 3.659 Fahrzeuge gemessen.

In Fahrtrichtung Offenbach galt am Ausbauende Tempo 80. Hier registrierte die Polizei 1.784 Fahrzeuge, von denen 218 zu schnell waren. Das entspricht einer Quote von rund 12,2 Prozent, also mehr als jedem achten Fahrzeug. Die Beamten zählten 129 Verstöße im Verwarnungsbereich und 81 Anzeigen. Acht Fahrern droht ein Fahrverbot. Den höchsten Wert in dieser Richtung erreichte der Mercedes mit 170 km/h, das sind 90 km/h mehr als erlaubt.

In Fahrtrichtung Obertshausen lag das Limit bei 120 km/h. Von 1.875 gemessenen Fahrzeugen waren 140 zu schnell, rund 7,5 Prozent. Hier gab es 75 Verwarnungen und 65 Anzeigen, sieben Fahrer müssen mit einem Fahrverbot rechnen. Spitzenreiter war ein Autofahrer mit 202 km/h.

Polizei: „Tempolimits sind keine unverbindlichen Empfehlungen“

Die Polizei verweist in ihrer Mitteilung auf die physikalischen Folgen hoher Geschwindigkeiten. Bei 80 km/h legt ein Auto rund 22 Meter pro Sekunde zurück, bei 170 km/h sind es etwa 47 Meter. Schon in der Reaktionszeit von etwa einer Sekunde fährt ein Auto bei dieser Geschwindigkeit also mehr als doppelt so weit, bevor der Fahrer überhaupt bremst. Der Bremsweg wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit und verlängert sich dadurch noch stärker. Die Behörde betont: „Tempolimits sind keine unverbindlichen Empfehlungen.“

Was den Temposündern jetzt droht

Für Geschwindigkeitsverstöße außerhalb geschlossener Ortschaften sieht der bundeseinheitliche Bußgeldkatalog gestaffelte Regelsätze vor. Bis 20 km/h zu viel bleibt es bei einem Verwarnungsgeld ohne Punkte. Ab 21 km/h folgt ein Bußgeldbescheid mit Punkten im Fahreignungsregister in Flensburg, ab 31 km/h außerorts zusätzlich ein Regelfahrverbot. Die folgenden Werte gelten für Pkw:

Bußgeldkatalog 2026: Zu schnell außerorts (Pkw)
VerstoßBuß­geldPunk­teFahrverbotEinspruch
bis 10 km/h zu schnell40 €keineneinprüfen
11 bis 15 km/h zu schnell60 €keineneinprüfen
16 bis 20 km/h zu schnell70 €keineneinprüfen
21 bis 25 km/h zu schnell100 €1neinprüfen
26 bis 30 km/h zu schnell150 €1neinprüfen
31 bis 40 km/h zu schnell200 €11 Monatprüfen
41 bis 50 km/h zu schnell320 €21 Monatprüfen
51 bis 60 km/h zu schnell480 €21 Monatprüfen
61 bis 70 km/h zu schnell600 €22 Monateprüfen
mehr als 70 km/h zu schnell700 €23 Monateprüfen

Hinzu kommen Gebühren und Auslagen der Bußgeldstelle. Die beiden Spitzenreiter von der B448 liegen auch nach Abzug der üblichen Messtoleranz von drei Prozent bei Werten über 100 km/h noch in der höchsten Stufe. Für mehr als 70 km/h zu viel außerorts sieht der Katalog 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot vor.

Vorsatz kann teurer werden

Die Regelsätze des Bußgeldkatalogs gehen von fahrlässigem Handeln aus. Bei sehr deutlichen Überschreitungen prüfen Bußgeldstellen und Gerichte jedoch häufig, ob der Fahrer das Tempolimit bewusst missachtet hat. Wer ein Schild sieht und trotzdem fast doppelt so schnell fährt wie erlaubt, muss damit rechnen, dass Vorsatz angenommen wird. Die Bußgeldkatalog-Verordnung erlaubt dann eine Erhöhung der Regelbuße, in der Praxis wird sie oft verdoppelt. Wie Gerichte den Vorsatz bewerten, zeigt etwa ein Beschluss des OLG Zweibrücken.

Ob in Einzelfällen auch ein Strafverfahren in Betracht kommt, hat die Polizei nicht mitgeteilt. Grundsätzlich kann extremes Rasen unter Umständen als verbotenes Kraftfahrzeugrennen nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs gewertet werden, auch wenn nur ein einzelnes Auto beteiligt ist. Dafür müssen aber zusätzliche Voraussetzungen vorliegen, etwa das Ziel, eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.

Fahrverbot und Probezeit

Ein Fahrverbot wird erst wirksam, wenn der Bußgeldbescheid rechtskräftig ist. Wer in den zwei Jahren zuvor kein Fahrverbot hatte, kann den Beginn innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft selbst wählen. Weitere Einzelheiten dazu erklärt unser Ratgeber zum Fahrverbot.

Für Fahranfänger in der Probezeit gilt jede Überschreitung ab 21 km/h als schwerwiegender Verstoß. Neben Bußgeld und Punkten folgen dann die Anordnung eines Aufbauseminars und eine Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre.

Einspruch: Messung und Toleranz prüfen

Gegen einen Bußgeldbescheid kann innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden. Ansatzpunkte sind unter anderem die korrekte Aufstellung und Eichung des Messgeräts, die Schulung des Messpersonals und der richtige Toleranzabzug. Gerade bei Werten knapp an der Grenze einer Stufe kann der Toleranzabzug darüber entscheiden, ob ein Fahrverbot droht oder nicht. Wo in Hessen regelmäßig gemessen wird, zeigt unsere Übersicht der Blitzer in Hessen.

Quellen

  • Polizeipräsidium Südosthessen: Geschwindigkeitskontrollen auf der B448 zwischen Offenbach und Obertshausen (Pressemitteilung vom 13.10.2026)
  • OF-News: Mit 202 km/h über die B448: Polizei erwischt 358 Temposünder
  • Rhein-Main Verlag: Mit 202 km/h über die B448, Geschwindigkeitskontrollen zwischen Offenbach und Obertshausen
  • ADAC: Geschwindigkeitsüberschreitung, Bußgelder und Punkte
  • Bundesministerium der Justiz: Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV)

Bild: KI-generiert

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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  • Messung und EichungWar das Messgerät geeicht und korrekt aufgestellt?
  • FahrerfotoSind Sie auf dem Blitzerfoto eindeutig zu erkennen?
  • Fristen und VerjährungKam der Bescheid rechtzeitig und korrekt zugestellt?
  • FahrverbotLässt es sich abwenden, etwa gegen ein höheres Bußgeld?