Das Oktoberfest 2026 geht in sein zweites Wochenende. Bis zum 4. Oktober rechnen Stadt und Polizei in München wieder mit Millionen Besuchern, und viele davon nutzen für den Heimweg einen Leih-E-Scooter. Genau hier setzt die Polizei seit Jahren einen Schwerpunkt: Bei der Wiesn 2025 haben sich die Trunkenheitsfahrten auf E-Scootern gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Für 2026 hat die Stadt deshalb erneut Sonderregeln erlassen, die Anbieter müssen zudem einen Reaktionstest in ihre Apps einbauen. Ein Überblick, was rund um die Theresienwiese gilt und welche Sanktionen bei Alkohol auf dem E-Scooter drohen.
Fahr- und Parkverbot innerhalb des „Äußeren Sperrrings“
Nach einer Mitteilung der Landeshauptstadt München vom 16. September 2026 dürfen geteilte E-Tretroller und Leihfahrräder während des Oktoberfests nur bis zum sogenannten „Äußeren Sperrring“ fahren. Innerhalb dieses Bereichs hat das Mobilitätsreferat in Absprache mit Polizei und Anbietern ein generelles Fahr- und Parkverbot verhängt, wie es dort auch für Autos und andere Kraftfahrzeuge gilt.
Als letzte Abstellmöglichkeiten vor dem Festgelände stehen insgesamt zwölf dauerhafte und temporäre Abstellflächen entlang des Sperrrings zur Verfügung. Dauerhafte Abstellflächen innerhalb des Sperrrings sind für die Dauer der Wiesn deaktiviert.
Hinzu kommt eine zeitliche Einschränkung: Zwischen 17 und 6 Uhr ist das Parken und Ausleihen in einem Radius von bis zu einem Kilometer um den Sperrring nicht möglich. Betroffen sind nach Angaben der Stadt etwa Teile des Westends, das Bahnhofsviertel und die Sonnenstraße zwischen Sendlinger Tor und Stachus. Auf den ausgewiesenen Abstellflächen ist das Abstellen dagegen ganztägig erlaubt.
Reaktionstest in der App vor der Ausleihe
Neu ist für viele Nutzer ein Test vor der Fahrt: Die Anbieter schalten dem Ausleihvorgang in ihren Apps ein Reaktionsspiel vor. Zwischen 15 Uhr und 6 Uhr des Folgetages lässt sich ein E-Scooter nur ausleihen, wenn dieser Test bestanden wurde. Die Stadt will damit nach eigenen Worten sensibilisieren, dass für E-Tretroller die gleichen Promillegrenzen gelten wie beim Autofahren.
Wichtig: Ein bestandener Reaktionstest ist keine Aussage über die Fahrtüchtigkeit im rechtlichen Sinn. Maßgeblich bei einer Kontrolle ist allein der gemessene Alkoholwert und gegebenenfalls das Fahrverhalten.
Welche Promillegrenzen für E-Scooter gelten
E-Scooter sind rechtlich Kraftfahrzeuge. Deshalb gelten für sie dieselben Alkoholgrenzen wie für Autofahrer, nicht die großzügigeren Werte für Radfahrer. Im Einzelnen:
- Ab 0,5 Promille liegt eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG vor, auch ohne jede Auffälligkeit beim Fahren.
- Ab 0,3 Promille mit Ausfallerscheinungen, etwa Schlangenlinien oder ein Sturz, kann bereits eine Straftat vorliegen.
- Ab 1,1 Promille gilt man als absolut fahruntüchtig. Das ist immer eine Straftat nach § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr).
- Fahranfänger in der Probezeit und alle unter 21 Jahren unterliegen einem absoluten Alkoholverbot (§ 24c StVG), es gilt also 0,0 Promille.
Sanktionen nach dem Bußgeldkatalog 2026
Die Beträge für Alkoholverstöße ohne Straftatbestand sind im Bußgeldkatalog festgelegt und gelten für E-Scooter-Fahrer genauso wie für Autofahrer:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot | Einspruch |
|---|---|---|---|---|
| Ab 0,5 Promille, erster Verstoß | 500 € | 2 | 1 Monat | prüfen |
| Ab 0,5 Promille, zweiter Verstoß | 1.000 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
| Ab 0,5 Promille, dritter Verstoß | 1.500 € | 2 | 3 Monate | prüfen |
| Alkohol in der Probezeit oder unter 21 Jahren | 250 € | 1 | nein | prüfen |
| Ab 1,1 Promille oder ab 0,3 Promille mit Ausfallerscheinungen | Geld- oder Freiheitsstrafe | 3 | in der Regel Entzug der Fahrerlaubnis | prüfen |
Wer in der Probezeit mit Alkohol erwischt wird, muss zusätzlich mit einem Aufbauseminar und einer Verlängerung der Probezeit rechnen. Bei einer Straftat kommt in aller Regel die Entziehung der Fahrerlaubnis mit einer Sperrfrist hinzu. Das betrifft auch den Autoführerschein, selbst wenn die Fahrt nur mit dem E-Scooter stattfand. Ab 1,6 Promille ordnet die Fahrerlaubnisbehörde vor einer Neuerteilung eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) an. Weitere Einzelheiten zu den Grenzwerten finden sich in unserer Übersicht zu Alkohol am Steuer.
Die Bilanz des Vorjahres
Wie ernst die Polizei das Thema nimmt, zeigen die Zahlen der Wiesn 2025. Bereits zur Halbzeit meldete das Polizeipräsidium München 285 Verkehrsdelikte unter Alkoholeinfluss, darunter 151 Straftaten. Auf E-Scooter entfielen zu diesem Zeitpunkt 172 Trunkenheitsfahrten, im Vorjahr waren es zur Halbzeit 70 gewesen.
Zum Ende des Oktoberfests 2025 stieg die Zahl der Trunkenheitsfahrten nach Medienberichten über die Abschlussbilanz der Polizei auf 438 (2024: 322). Davon entfielen 252 auf E-Scooter, fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit 135 Fällen. In 291 Fällen wurden Führerscheine sichergestellt.
Auch 2026 kündigt die Stadt verstärkte Kontrollen an. Neben alkoholisierten Fahrern haben Polizei und Kreisverwaltungsreferat auch Falschparker in den Anwohnerlizenzgebieten rund um die Theresienwiese im Blick. Verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge werden abgeschleppt.
Was für den Heimweg gilt
Die Stadt empfiehlt ausdrücklich, zum Festgelände mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad anzureisen, da es rund um die Wiesn keine Parkmöglichkeiten für Autos gibt. Wer nach dem Festzeltbesuch Alkohol getrunken hat, sollte das auch beim Rad bedenken: Zwar gelten dort andere Grenzwerte, doch auch Radfahrer können sich nach § 316 StGB strafbar machen. Zur Diskussion um eine neue Promillegrenze für Radfahrer haben wir gesondert berichtet.
Die allgemeinen Regeln und Bußgelder für E-Scooter, etwa zur Nutzung von Gehwegen oder zum Fahren zu zweit, sind im Bußgeldkatalog für Elektrokleinstfahrzeuge zusammengefasst. Welche Änderungen für E-Scooter in den kommenden Monaten geplant sind, erläutert unser Beitrag zur E-Scooter-Reform 2026/2027.
Quellen
- Landeshauptstadt München: Sicherheit und Kontrollen auf dem Oktoberfest 2026
- Polizeipräsidium München: Halbzeitbilanz Oktoberfest 2025
- t-online München: Bericht zur Abschlussbilanz der Polizei zum Oktoberfest 2025
- Bußgeldkatalog 2026 (BKat), Straßenverkehrsgesetz (§§ 24a, 24c StVG) und Strafgesetzbuch (§ 316 StGB)
Bild: KI-generiert
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